PPWR gilt ab heute – sind Ihre Produkt- und Verpackungsdaten bereit?

12. August 2026. Ein Datum, das Hersteller auf dem Radar haben sollten.

Ab heute gilt die neue europäische Packaging and Packaging Waste Regulation – kurz PPWR – grundsätzlich in der gesamten Europäischen Union. Und trotzdem habe ich den Eindruck, dass das Thema in vielen Unternehmen noch nicht die Aufmerksamkeit bekommt, die es eigentlich verdient.Vielleicht liegt es daran, dass viele Anforderungen schrittweise kommen. Vielleicht auch daran, dass Verpackungen bisher häufig eher als Aufgabe von Einkauf, Produktion, Qualitätsmanagement oder Marketing betrachtet wurden.

Doch mit der PPWR verändert sich diese Sichtweise. Denn es geht nicht mehr nur um die Verpackung selbst.

Es geht zunehmend auch um die Daten zur Verpackung.

Was ist die PPWR eigentlich?

Die PPWR – Packaging and Packaging Waste Regulation – ist die neue EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle. Das Ziel ist klar: weniger Verpackungsabfall, mehr Recycling und Wiederverwendung sowie insgesamt nachhaltigere Verpackungen innerhalb der Europäischen Union. Dafür stellt die PPWR neue Anforderungen an Verpackungen und an Unternehmen, die diese in Verkehr bringen.

Unter anderem geht es um Themen wie:

  • Recyclingfähigkeit
  • Materialzusammensetzung
  • Rezyklatanteile
  • Vermeidung unnötiger Verpackungen
  • Gewichts- und Volumenreduzierung
  • Wiederverwendbarkeit
  • Kennzeichnung
  • Dokumentations- und Nachweispflichten
  • Herstellerverantwortung

Wichtig dabei: Nicht alle Anforderungen gelten ab heute in vollem Umfang. Viele Vorgaben und Zielwerte werden in den kommenden Jahren schrittweise wirksam.

Das sollte aber aus meiner Sicht kein Grund sein, sich zurückzulehnen.

Im Gegenteil.

Wer erst beginnt, seine Daten zu organisieren, wenn die jeweilige Verpflichtung unmittelbar vor der Tür steht, beginnt zu spät. Die eigentliche Herausforderung liegt häufig nicht bei der Verpackung

Stellen wir uns einen Hersteller mit einigen tausend Produkten vor. Ein Produkt steckt vielleicht in einer Kunststoffflasche, einem Karton oder einem Beutel. Dazu kommen Umverpackungen, Transportverpackungen oder unterschiedliche Verpackungsvarianten für verschiedene Produkte und Märkte.

Nun stellen wir ein paar einfache Fragen:

  • Aus welchem Material besteht jede dieser Verpackungen?
  • Wie hoch ist ihr Gewicht?
  • Welche Bestandteile sind enthalten?
  • Welcher Rezyklatanteil wird eingesetzt?
  • Ist die Verpackung recyclingfähig?
  • Welche Verpackung gehört zu welcher Produktvariante?
  • In welchen Märkten wird sie eingesetzt?
  • Woher stammen diese Informationen?
  • Und wer im Unternehmen ist eigentlich dafür verantwortlich, dass sie aktuell und korrekt sind?

Spätestens hier wird aus einem vermeintlichen Verpackungsthema sehr schnell ein Datenthema.

Und genau das wird aus meiner Sicht noch unterschätzt.

„Wir haben die Daten irgendwo“ wird nicht reichen. In vielen Unternehmen existieren die notwendigen Informationen bereits. Zumindest teilweise. Ein Teil liegt im ERP. Ein anderer beim Einkauf. Materialinformationen kommen vom Lieferanten. Gewichte stehen in Excel-Tabellen. Das Qualitätsmanagement verwaltet Nachweise und Zertifikate. Marketing verfügt über weitere Angaben.

Und irgendwo gibt es vielleicht noch eine Datei mit Verpackungsspezifikationen, von der niemand so genau weiß, ob sie wirklich aktuell ist.

Das hat in der Vergangenheit möglicherweise funktioniert. Wenn Informationen aber regulatorisch relevant werden und zuverlässig Produkten, Verpackungen und Märkten zugeordnet werden müssen, reicht „die Daten haben wir irgendwo“ nicht mehr aus. Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Haben Sie eine zentrale und verlässliche Quelle für Ihre Produkt- und Verpackungsdaten?

Genau hier kommt PIM ins Spiel

Product Information Management – kurz PIM – wird häufig mit Produktbeschreibungen, Bildern, technischen Daten, Onlineshops und Katalogen verbunden. Das ist richtig. Aber es ist längst nicht mehr alles. Ein modernes PIM kann zur zentralen Informationsdrehscheibe werden, in der produktbezogene Informationen strukturiert zusammengeführt, gepflegt, geprüft und anschließend für unterschiedliche Anwendungen bereitgestellt werden. Und dazu können zunehmend auch Verpackungsinformationen gehören.

Ein Produkt kann beispielsweise mit seinen unterschiedlichen Verpackungsebenen und den dazugehörigen Informationen verknüpft werden. Materialien, Gewichte, Zusammensetzungen, Rezyklatanteile, Recyclinginformationen, Nachweise oder weitere regulatorisch relevante Merkmale können strukturiert hinterlegt werden. Informationen aus ERP, Lieferantendaten oder anderen Systemen können zusammengeführt und dem richtigen Produkt beziehungsweise der richtigen Verpackung zugeordnet werden.

Damit entsteht etwas, das in Zukunft immer wichtiger wird:
eine zentrale und verlässliche Datenbasis.

PIM wird damit mehr als ein Marketing-System

Genau hier verändert sich aus meiner Sicht auch die Rolle von PIM. PIM war lange Zeit vor allem dafür da, Produktinformationen effizient in Kataloge, Websites, Shops, Datenblätter oder andere Vertriebskanäle zu bringen. Diese Aufgabe bleibt. Aber es kommt eine weitere hinzu.

Produktinformationen werden zunehmend relevant für Compliance, Nachhaltigkeit und regulatorische Anforderungen. Damit wird PIM vom reinen Marketing- und Vertriebssystem immer stärker zu einem Teil der unternehmensweiten Produktdatenstrategie. Und das betrifft nicht nur die PPWR. Auch der Digital Product Passport – DPP – zeigt, wohin die Entwicklung geht. Europa verlangt zunehmend strukturierte, nachvollziehbare und digital verfügbare Informationen über Produkte, Materialien und deren Eigenschaften.

Für Hersteller bedeutet das:

  • Es genügt langfristig nicht, Informationen irgendwo im Unternehmen zu besitzen.
  • Sie müssen strukturiert vorliegen.
  • Sie müssen dem richtigen Produkt und der richtigen Verpackung zugeordnet sein.
  • Sie müssen aktuell und nachvollziehbar sein.
  • Und sie müssen dort bereitgestellt werden können, wo sie benötigt werden.

Genau dafür braucht es eine solide Produktdatenbasis.

Der QR-Code ist nicht die eigentliche Herausforderung

Wenn über DPP, PPWR und digitale Informationspflichten gesprochen wird, landet die Diskussion schnell beim QR-Code. Dabei ist der QR-Code technisch gesehen vermutlich der einfachste Teil.

Entscheidend ist doch:

  • Was passiert nach dem Scan?
  • Welche Informationen stehen dahinter?
  • Woher kommen sie?
  • Sind sie aktuell?
  • Sind sie vollständig?
  • Sind sie für genau dieses Produkt und genau diese Verpackung korrekt?
  • Und können sie automatisiert bereitgestellt werden?

Ein QR-Code löst kein Datenproblem. Er macht im schlimmsten Fall nur sichtbar, dass eines vorhanden ist. Deshalb sollte aus meiner Sicht nicht die Frage „Wie erzeugen wir einen QR-Code?“ am Anfang stehen.

Sondern: „Wie schaffen wir eine verlässliche Datenbasis?“ Die gute Nachricht: Man muss nicht alles auf einmal lösen

PPWR ist umfangreich und komplex. Und viele konkrete Anforderungen werden erst in den kommenden Jahren schrittweise wirksam. Diese Zeit sollten Hersteller nutzen. Nicht zum Abwarten, sondern zum Vorbereiten.

Ein guter erster Schritt ist deshalb eine Bestandsaufnahme:

  • Welche Verpackungsdaten haben wir bereits?
  • Wo liegen diese Daten?
  • Welche Informationen fehlen uns?
  • Welche Informationen erhalten wir von Lieferanten?
  • Wie ordnen wir Verpackungen unseren Produkten und Varianten zu?
  • Wer ist für welche Daten verantwortlich?
  • Wie stellen wir die Datenqualität sicher?
  • Und welches System soll zukünftig die verlässliche Quelle für diese Informationen sein?

Wer diese Fragen heute beantwortet, schafft nicht nur eine Grundlage für PPWR. Er schafft eine Datenbasis, von der auch viele andere Unternehmensbereiche profitieren können.

PPWR ist keine Aufgabe für irgendwann

Der 12. August 2026 ist deshalb für mich weniger ein Endpunkt als vielmehr ein deutliches Signal. Die Anforderungen an Produkt- und Verpackungsinformationen steigen. PPWR, DPP und weitere europäische Vorgaben zeigen, wohin die Reise geht: Unternehmen müssen immer genauer wissen, welche Produkte, Materialien und Verpackungen sie in Verkehr bringen – und sie müssen die dazugehörigen Informationen strukturiert und verlässlich bereitstellen können.

Für Hersteller bedeutet das vor allem eines: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Ordnung in die Produkt- und Verpackungsdaten zu bringen.

Ein PIM kann dabei eine wichtige Grundlage schaffen. Nicht als weiteres Datensilo. Sondern als zentrale Plattform, die Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenführt, strukturiert, qualitätsgesichert verwaltet und für unterschiedliche Anwendungen verfügbar macht. Die Technologie dafür ist vorhanden. Die größere Herausforderung ist häufig, den ersten Schritt zu machen.

Deshalb meine Frage an Sie: Wie gut sind Ihre Produkt- und Verpackungsdaten heute auf die PPWR vorbereitet?

Wenn Sie diese Frage nicht eindeutig beantworten können, sollten wir uns unterhalten.

Ich freue mich auf den Austausch.

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